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Pflege und Beruf: „Die meisten Chefs haben das Thema leider nicht auf dem Radar“

Torsten Eckel
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Dass so viele seiner Mitarbeitenden Angehörige pflegen, überraschte Torsten Eckel. Deshalb erklärte er die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in seinem Unternehmen zur Chefsache. Kurz darauf wurde er selbst zum pflegenden Angehörigen.
Das Wichtigste in Kürze

Plötzlich wird der Vater zum Pflegefall. Die Tochter schaut, dass er gut versorgt ist. Mehrmals pro Woche besucht sie ihn. Jeweils eine Stunde mit der S-Bahn hin und zurück – wenn’s gut läuft … In ihrem Job versucht sie, die gewohnten Leistungen zu bringen. Ihr Chef soll nicht merken, dass sie seit Wochen nicht richtig schläft. Wenn sie mal notfallmäßig zu ihrem Vater muss, meldet sie sich krank. Ihre Urlaubstage sind längst aufgebraucht.

So geht es in Deutschland Millionen von Menschen, die sich um ihre pflegebedürftigen Angehörigen kümmern. Viele davon stehen mitten im Berufsleben. „Und doch haben die meisten Arbeitgeber das Thema nicht auf dem Radar“, ist der Eindruck von Torsten Eckel. Er ist kaufmännischer Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Solidarität eG, die rund 3.200 Wohnungen in Berlin vermietet. Dass viele seiner 36 Mitarbeitenden neben dem Job Angehörige versorgen, war auch ihm lange nicht bewusst. „Damit beschäftigt man sich nicht, wenn man nicht betroffen ist“, so Eckel.

 

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Er erklärte das Thema zur Chefsache …

Doch dann bot er seinen Angestellten an, an einem Online-Workshop zu diesem Thema teilzunehmen. Das war 2021 – mitten in der Corona-Pandemie. Er war überrascht, dass ein Drittel der Belegschaft das Angebot der Berliner Fachstelle für pflegende Angehörige wahrnahm. Das habe ihm die Augen geöffnet, und er erklärte das Thema zur Chefsache.

Denn pflegende Angehörige fallen oft im Job aus, manche von ihnen geben den Beruf sogar ganz auf. „Das möchte ich verhindern. Als Chef bin ich daran interessiert, dass meine Fachkräfte so lange wie möglich bei mir arbeiten und mental sowie körperlich gesund sind.“ Nicht nur die zeitliche, sondern auch die psychische Belastung von pflegenden Angehörigen sei hoch. Hinzu kommen finanzielle Sorgen. „Pflege in Deutschland ist teuer. So beträgt der Eigenanteil in einem Pflegeheim durchschnittlich 3.100 Euro pro Monat.“

… und plötzlich wurde er selbst pflegender Angehöriger

Das erfuhr er wenige Monate nach diesem ersten Workshop selbst. 2021 erkrankte seine Mutter an Demenz. Ihr Zustand verschlechterte sich rasant. Torsten Eckel musste schnell handeln, gleichzeitig war er komplett überfordert: „Eine solche Situation zu regeln, ist unglaublich kompliziert und bürokratisch. Ich wusste gar nicht, wo ich anfangen sollte.“ Was ihm in dieser ersten Phase half: eine fundierte Pflegeberatung. Dort erhielt er einen umfassenden Überblick über die ganzen Leistungen und Anlaufstellen: „Das half mir, die richtigen Entscheidungen zu fällen.“

Er holte seine Mutter nach Berlin und fand dort einen guten Pflegeheimplatz für sie. „Dort fühlte sie sich sehr wohl und ich konnte sie regelmäßig besuchen.“ Mittlerweile ist seine Mutter verstorben, und Torsten Eckel würde immer wieder so handeln: „Dazu braucht es aber die richtigen Informationen und ein verständnisvolles Umfeld.“

Diese Maßnahmen erleichtern die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf

Ein solches versucht er in seinem Unternehmen zu bieten. Wenn er zweimal im Jahr ein Mitarbeitergespräch führt, fragt er stets, ob es einen Pflegefall in der Familie gebe. „Denn häufig trauen sich Angestellte nicht, dies zu sagen.“

Anders ist dies bei der WG Solidarität eG. Eckel weiß, dass zurzeit vier von seinen 36 Mitarbeitenden Angehörige betreuen – also mehr als zehn Prozent der Belegschaft. Gemeinsam versuche man, Lösungen zu finden, um Beruf und Pflege zu vereinbaren – etwa mit Homeoffice, flexibelsten Arbeitszeiten und der Option einer Vier-Tage-Woche. „Wichtig ist auch, Vertretungsregelungen zu haben – falls mal jemand länger ausfällt.“

Wenn nötig, gebe er seinem Personal auch gerne die nötigen Informationen, Anlaufstellen und die Möglichkeit zur Teilnahme an Workshops. Er ist überzeugt, dass solche Maßnahmen seinen Mitarbeitenden viel Druck nehmen – denn er weiß, dass Betroffene oft unter Schuldgefühlen leiden. „Vielleicht, weil Pflege und Beruf noch immer ein Tabuthema ist.“ Schade, so Eckel: „Es kann doch jeden treffen.“

 

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