Antonia Maier wollte ihren Vater (83) bei sich zu Hause pflegen, doch es endete in einem Desaster. „Trotzdem würde ich es wohl wieder so machen“, sagt Maier, die in Wirklichkeit anders heißt. „Ich hatte auch keine andere Wahl, als mein Vater vor zwei Jahren erblindete.“
Er lebte damals alleine in einem großen Haus, mehrere Zugstunden entfernt von ihrem Wohnort. Es war klar, dass er den Alltag selbstständig nicht mehr meistern konnte. Doch jede professionelle Hilfe lehnte er ab. „Dabei hätte er sich problemlos eine Alltagsassistenz oder eine 24-Stunden-Pflege leisten können.“
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„Klar, fühlt man sich dann verpflichtet“
Das Einzige, was er akzeptierte: Seine Tochter sollte sich um ihn kümmern. Er sagte ihr, dass er sonst nicht mehr leben möchte. „Klar, fühlt man sich dann verpflichtet“, so Antonia Maier, die nicht bei ihrem Vater aufgewachsen war: „Ich hatte aber immer ein gutes Verhältnis zu ihm. Nun wollte ich ihm einen schönen Lebensabend mit der Familie schenken.“
Sie holte ihn zu sich nach Düsseldorf. Er bezog eine Wohnung im gleichen Mehrfamilienhaus wie sie. Sie bekochte ihn, begleitete ihn zu Arztterminen, erledigte administrative Aufgaben und leistete ihm Gesellschaft. „Am Anfang ging das auch ganz gut. Mein Vater war freundlich und respektvoll.“ Er sei ja immer stolz auf sie gewesen: „Ich habe einen Doktortitel und bin mit meinem eigenen Unternehmen erfolgreich. In seinen Augen hatte ich alles richtig gemacht.“
„Er sah mich nur noch als Hausfrau, die man herumscheuchen kann“
Doch das ändere sich schnell, als sie pflegende Angehörige wurde: „Er sah mich nur noch als Hausfrau, die man herumscheuchen kann. So wie das in seiner Generation leider oft üblich war.“ Etwa vier Stunden täglich war Antonia Maier mit der Pflege und Betreuung beschäftigt. Und da war noch ihre Tochter, die ebenfalls ihre Aufmerksamkeit brauchte. „Ich hatte Verdienstausfälle, weil ich kaum noch für mein Unternehmen arbeiten konnte.“
Widerwillig gab ihr Vater ihr 1.500 Euro pro Monat für ihre Dienste. Doch da wurde ihr Verhältnis noch schlimmer. „Er hatte hohe Erwartungen für sein Geld.“ Es sei aber unmöglich gewesen, diese zu erfüllen: „Es war nie gut genug.“
Persönliche Angriffe und Beleidigungen
Angefangen bei seinen Essenswünschen: „Egal, was ich kochte. Es war entweder zu hart, zu salzig oder nicht das Richtige.“ Lieferdienste wie „Essen auf Rädern“ lehnte er ab. „Er wollte nur frisch gekochtes. Und die Mahlzeiten hatten pünktlich auf dem Tisch zu sein.“
Auch beklagte sich ihr Vater ständig, dass sie sich zu wenig um ihn kümmere: „Dabei füllte die Pflege fast meinen ganzen Tag aus.“ Widersprach sie ihm, konterte er mit Beleidigungen und persönlichen Angriffen: „Er machte mir Scham- und Schuldgefühle, damit ich mich möglichst klein fühle.“
Sprach sie ihn darauf an, meinte er nur: „Das habe ich doch so gar nicht gesagt.“ Antonia Maier versuchte es mit einer Familientherapie – doch ihr Vater wollte nichts verändern: „Er wollte nur recht haben.“
„Ich kann nicht mehr“, zu sagen, kann befreiend sein
Da wurde ihr klar, dass sie so nicht mehr kann und beschloss das Ganze abzubrechen. Leicht sei das nicht gewesen. „Er ist ja immer noch mein Vater und ich hatte ein schlechtes Gewissen.“ Nicht glücklich sei auch ihr Vater mit diesem Entscheid gewesen: „Doch er musste ihn akzeptieren.“ Er lebt zwar immer noch im gleichen Mehrfamilienhaus wie sie, wird aber nun von professionellen Pflegekräften betreut, die monatlich viel mehr als 1.500 Euro kosten. „Natürlich beklagt er sich darüber, dass diese Pflegerinnen teurer sind als ich. Dabei könnte er sich mit seinem vielem Geld einen wunderschönen Lebensabend machen.“
Antonia Maier fühlt sich nun aber viel besser. Ihre „Kündigung als Pflegekraft“ bei ihrem Vater war eine Befreiung für sie. Weiterhin hilft sie ihm bei administrativen Angelegenheiten und begleitet ihn zu Terminen. „Doch das ist zeitlich nicht mehr so intensiv.“ Seither ist ihr Vater wieder freundlicher zu ihr, doch so entspannt wie früher sei ihr Verhältnis nicht mehr. „Dafür ist einfach zu viel passiert. Vielleicht ist es keine gute Idee, wenn erwachsene Kinder ihre Eltern pflegen.“
„Niemand muss aus Pflichtgefühl den Vater pflegen“
Pauschal lässt sich das nicht sagen, findet Pflegeberaterin Karoline Bussenius: „In vielen Fällen funktioniert es hervorragend.“ Doch auch Konflikte seien keine Seltenheit: „Schließlich sind die Eltern plötzlich von ihren Kindern abhängig, dies zu akzeptieren, fällt vielen schwer.“
Doch für Kinder sei es wichtig, ihre Grenzen zu kennen: „Niemand muss aus reinem Pflichtgefühl den Vater oder die Mutter pflegen. Da ist es absolut legitim, wenn man dies nicht leisten kann und sich Unterstützung holt.“ Denn andauernde Konfliktsituationen machen laut Bussenius kaputt und zerstören die Beziehung noch mehr.
Die Unterstützungsmöglichkeiten seien vielfältig und werden häufig von der Pflegekasse bis zu einem bestimmten Betrag finanziert. Etwa eine Alltagsassistenz, Nachbarschaftshilfe oder eine Kurzzeitpflege. Bei mehr Hilfsbedürftigkeit bringt auch oft ein Pflegedienst oder eine 24-Stunden-Pflege Entlastung. Manchmal ist auch der Umzug in ein Pflegeheim oder ein Betreutes Wohnen notwendig.
Ganz wichtig: Gerade am Anfang einer Pflegesituation sollte man sich beraten lassen, um einen umfassenden Überblick zu erhalten. Pflegestützpunkte etwa bieten solche kostenlos an. Bussenius: „Sinnvoll ist, wenn der pflegende Angehörige und der Pflegebedürftige dabei sind. Oft nehmen Pflegebedürftige Ratschläge von außen besser an.“
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