Im Wohnzimmer stehen Mitbringsel von der Ostsee – im Flur hängen Bilder von Sonnenuntergängen: Solche Dinge sah der Pflegeberater André Scholz bei seinen Hausbesuchen oft. „Da wurde mir bewusst, dass Pflege- und Hilfsbedürftige einen unbewussten Wunsch nach Urlaub haben. Aber sie getrauen sich nicht, sich diesen zu erfüllen.“ Zu belastend ist der Alltag, und die Hürden am Urlaubsort scheinen unüberwindbar.
Schade, fand der Berliner. „Wir brauchen Auszeiten, um neue Kraft zu tanken. Das ändert sich doch nicht, wenn man auf Pflege angewiesen oder sorgender Angehöriger ist.“ Der 59-Jährige spricht nicht nur aus beruflicher, sondern auch aus persönlicher Erfahrung: „Ich habe eine große Familie – als ich um die 50 war, wurde das Thema bei uns plötzlich aktuell.“ So erlitt ein Verwandter einen Schlaganfall, bei einem anderen wurde Demenz diagnostiziert, ein dritter wurde psychisch krank.
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„Tourismus für Pflegebedürftige lohnt sich finanziell nicht“
Obwohl der gelernte Altenpfleger ein Profi in diesem Gebiet ist, waren solche Situationen auch für ihn belastend: „Als Angehöriger muss man sich informieren, handeln und Entscheidungen treffen – zusätzlich sollte man neutral bleiben, wenn es etwa Schwierigkeiten mit einem Arzt oder Pflegedienst gibt.“ Die Last der Verantwortung sei groß.
Ihm war es in solchen Situationen stets wichtig, sich Raum für die schönen Dinge zu nehmen. „Etwa eine kurze Auszeit für mich und meine Frau, während unser Angehöriger gut versorgt ist oder selbst unbeschwert Urlaub machen kann.“ Doch er merkte, dass es gerade für Menschen mit Einschränkungen und ihre Angehörigen kaum passende Angebote gibt. „Ein Tourismus für Pflege- oder Hilfsbedürftige lohnt sich finanziell nicht.“
„Wir sind kein Reisebüro“
So wuchs bei ihm der Wunsch, ein kostenloses Beratungsangebot für die Betroffenen zu schaffen – 2016 hat er gemeinsam mit seiner Frau Sibylle den Verein Reisemaulwurf ins Leben gerufen. Ein Reisebüro seien sie aber nicht, betont André: „Die Herausforderungen sind bei jeder Krankheit individuell. So haben Rollstuhlfahrende andere Bedürfnisse als Menschen mit Demenz – da kann man keine Reisen aus dem Katalog anbieten.“
Bei seinen telefonischen Beratungen hilft ihm deshalb sein Wissen als Pflegeberater. Er fragt stets zuerst, wo es denn hingehen soll oder wie der Pflegebedarf genau aussieht. Möchte etwa ein Rollstuhlfahrer in die Berge, erkundigt er sich, ob dort Hilfsmittel zur Verfügung stehen – etwa ein Elektrorollstuhl oder eine Schiebehilfe, um die Steigungen zu meistern. Ebenfalls versorgt er die Ratsuchenden mit den nötigen Kontakten und Ansprechpartnern vor Ort und thematisiert mit ihnen, wie die Anfahrt zum Urlaubsziel aussehen könnte.
In etwa 80 Prozent der Anrufe melden sich die Angehörigen bei ihm – auch für sie ist Erholung im Urlaub wichtig. Möglichkeiten seien etwa ein Pflegedienst vor Ort, der morgens bei der Körperhygiene hilft, oder eine Betreuung, damit sich der Angehörige für einige Stunden eine Auszeit nehmen kann. Auch spezielle Gruppenangebote bieten dies.
30 Stunden pro Woche ehrenamtliche Arbeit
Etwa 30 Stunden arbeitet André pro Woche ehrenamtlich für sein Herzensprojekt – neben seinem Job als Pflegeberater bei einer Krankenkasse. Nur einen kleinen Teil wendet er für die telefonische Beratung auf: „Ich leiste viel Lobbyarbeit in der Wirtschaft und Politik.“ Sein Ziel: Es sollen bessere Strukturen aufgebaut werden, die Menschen mit Pflegebedarf im Urlaub nutzen können. Ein barrierefreier Tourismus reiche noch nicht: „Es braucht vor Ort Pflegedienste und Hilfsmittel wie ein Pflegebett. Auch Ausflüge sollten auf die Bedürfnisse von Pflegebedürftigen zugeschnitten werden.“
Dank einer Nachlassspende, die der Verein kürzlich erhalten hat, können er und seine Frau Sibylle ihre Arbeit fortsetzen. „Doch wir hoffen auf weitere Unterstützer, damit Urlaub für Menschen mit Hilfs- und Pflegebedarf in Zukunft selbstverständlich ist.“
Nützliche Infos rund um das Reisen mit Hilfs- und Pflegebedarf finden Sie auf der Plattform reisemaulwurf.de. Dort können Sie sich auch für eine kostenlose Reiseberatung anmelden.
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