Frau Bielesch, kann man im Alter noch die Liebe finden?
Marga Bielesch: Sicher, das ist sogar im hohen Alter möglich. Ich habe früher als Ergotherapeutin in einem Altenheim gearbeitet. Da war ein Paar, das sich in der Einrichtung kennengelernt hatte. Die beiden waren schon weit über 80 und schon lange verwitwet. Nun waren sie nochmals richtig verliebt und turtelten wie zwei Teenager. Sie küssten sich, hielten Händchen und verbrachten viel Zeit miteinander. Das war wunderschön zu sehen, kam aber nicht bei allen Bewohnern gut an. „Die sind doch viel zu alt zum Turteln“, hieß es etwa.
Warum? Ist denn die späte Liebe tabu?
Ich hoffe nicht. Das ist auch schon 15 Jahre her. Vielleicht sind wir inzwischen weiter. Möglicherweise löst es einfach bei einigen Senioren negative Gefühle aus, wenn sie ein verliebtes Paar im gleichen Alter sehen. Sie hätten das auch gerne oder finden, dass man das als Witwe oder Witwer nicht machen kann. Da gibt es so viele verschiedene Haltungen, die dem Paar aber egal sein dürfen. Es ist doch wunderbar, wenn man sich im hohen Alter nochmals verliebt.
Viele Senioren leben aber zu Hause. Da trifft man nicht so viele Menschen wie in einem Altenheim.
Tatsächlich ist das in Altenheimen oder im Betreuten Wohnen einfacher. Wobei das besagte Paar dort die Liebe nicht suchte, sie ist einfach passiert. Doch auch alleinlebende Senioren können Menschen kennenlernen. Etwa in Treffpunkten oder an Ausflügen für ältere Menschen. Wer technikaffin ist, kann auch im Internet nach einem neuen Partner suchen.
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Ist eine Beziehung anders, wenn man sich erst spät kennenlernt?
Man nimmt sich mehr Zeit, geht die Liebe bewusster ein. Schließlich hat man schon viele Erfahrungen gesammelt, weiß, was man möchte und wo die eigenen Grenzen liegen. Da geht man in jüngeren Jahren häufig etwas unbedarfter in die Beziehung. Die Familiengründung und der Aufbau des Lebens stehen im Vordergrund. Wenn man älter ist, hat man oft erwachsene Kinder oder eine Immobilie. Da geht es etwa darum, welche Freiheiten man in den nächsten 20 oder 30 Jahren braucht. Nicht immer ist das Zusammenziehen die beste Option.
Gerade wenn man jahrelang alleinlebte, ist es nicht einfach, sich auf eine neue Beziehung einzulassen.
Sicher. Es dauert oft eine Weile, bis man sich an eine Person gewöhnt und sich wieder öffnen kann. Sehr wichtig ist, dass man viel über seine Erwartungen und Wünsche spricht. Dann kann man bewusst entscheiden, ob man die Beziehung wirklich möchte. Manchmal geht es auch darum, einen Kompromiss zu finden und das eigene Leben trotzdem weiterzuführen. Wer etwa zwei Mal in der Woche tanzen geht, sollte dies auch weiterhin tun. Und da sind häufig noch die erwachsenen Kinder, die erst mal skeptisch sind. Das würde ich aber nicht als Ablehnung sehen.
Sondern?
Häufig müssen sich die Angehörigen an die Situation gewöhnen. Es kommt vielleicht zuerst das Gefühl auf, dass der verstorbene Partner ersetzt wird. Doch viele finden es auch sehr schön, ihre Eltern nochmals verliebt zu sehen.
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Wie wichtig ist denn die körperliche Nähe im Alter?
Genauso wichtig wie in jungen Jahren. Doch auch da braucht es am Anfang einer neuen Beziehung häufig Zeit, um sich zu finden. Wie man Sexualität im Alter lebt, ist unterschiedlich. Auch Berührungen, Küsse oder Streicheln gehören dazu. Jedes Paar muss für sich entscheiden, was es möchte. Zuneigung tut uns allen gut, stärkt die Bindung und schafft Geborgenheit. Es ist doch großartig, wenn man im Alter gemeinsam eine schöne Zeit verbringen darf.
Und wer keinen Partner an seiner Seite hat?
Das ist völlig in Ordnung. Man kann auch ohne körperliche Nähe ein glückliches Leben führen. Etwa durch erfüllende Freundschaften oder Hobbys. Viele ältere Menschen leben gerne alleine, insbesondere nach einer langjährigen Beziehung. Wer alleinstehend ist, muss nicht zwingend einsam sein.
Apropos langjährige Beziehung: Haben Sie Tipps, damit diese nach Jahrzehnten noch erfüllt bleibt?
Das Schöne ist, dass man sich schon so lange kennt und über viele Dinge hinwegsieht. Nicht mehr jede Kleinigkeit führt zum Streit. Man hat sich so vieles aufgebaut, ist durch Höhen und Tiefen gegangen – das verbindet. Manche Paare fühlen sich sogar richtig als Einheit. Wichtig ist, dass man einander zugewandt bleibt und für die eigenen Fehler die Verantwortung übernimmt.
Doch nicht bei allen Paaren läuft es so harmonisch. Was ist Gift für eine Beziehung?
Wenn die Fronten verhärtet sind und es immer wieder zu Verletzungen kommt. Zum Beispiel, wenn ein Paar nicht mehr miteinander spricht oder sich nur abwertet und fertig macht. Körperliche und seelische Gewalt ist absolut tabu. Da sollte das Opfer am besten gehen. Nur leider ist das im Alter nicht immer so einfach möglich. Dafür braucht es ein gutes Netz. Schlimm ist auch, wenn eine Person ihre Macht ausübt – etwa über den pflegebedürftigen Partner.
Überhaupt stellt eine Pflegebedürftigkeit eine Beziehung auf eine harte Probe.
Viele pflegende Angehörige sind überfordert. Sie müssen sich nicht nur um den kranken Partner kümmern, sondern auch seine Aufgaben übernehmen. Das kostet Kraft und kann zu Konflikten führen. Hilfreich sind eine offene Kommunikation und Unterstützung durch andere Angehörige oder einen Pflegedienst.
Doch nicht nur altersbedingte Veränderungen belasten Beziehungen. Auch der Übergang ins Rentenalter führt häufig zu Konflikten.
Ja, das ist eine riesige Veränderung – ähnlich wie wenn ein Paar Eltern wird. Man muss sich neu finden, insbesondere wenn sich jemand stark über seine Arbeit definierte und dort viel Anerkennung erfuhr. Plötzlich fühlt man sich nicht mehr gebraucht, das führt zu Frust und Streit. Und oft wissen Paare nicht, was sie mit ihrer neugewonnen Freizeit gemeinsam anfangen sollen.
Haben Sie Tipps, um in der neuen Lebensphase anzukommen?
Indem man Struktur in den Alltag bringt. Vielleicht sucht man sich ein Hobby, leistet ehrenamtliche Arbeit oder kümmert sich um die Enkel. Doch es geht auch darum, als Paar einen Rhythmus zu finden – etwa durch gemeinsame Mahlzeiten oder Aktivitäten. In dieser Übergangsphase herrscht viel Redebedarf. Man kann offen sagen, dass man sich gerade unwohl fühlt. Schuldzuweisungen gilt es aber zu vermeiden.
Muss man im Alter unbedingt an einer Beziehung festhalten?
Auch Trennungen sind eine Realität und haben nichts mit Scheitern zu tun. Manchmal passt es nicht mehr, weil man sich sein Leben anders vorstellt. Es ist aber auch okay, in einer Beziehung zu bleiben, die nicht nur rosarot ist. Wichtig ist einfach, dass niemand körperlich oder seelisch darunter leidet.
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