Wer zu Hause von einer Privatperson gepflegt wird, muss ab Pflegegrad 2 Beratungseinsätze in Anspruch nehmen. Sonst kann das Pflegegeld gestrichen oder gekürzt werden. Der § 37.3 schreibt viertel- oder halbjährliche Pflegeberatungen vor, die von der Pflegeversicherung oder privaten Versicherungen übernommen werden.
Ziel des Beratungseinsatzes nach Paragraf 37.3 ist es, die Qualität der häuslichen Pflege zu sichern und die Angehörigen zu entlasten. Doch in der Praxis wird dies längst nicht immer erfüllt. Nur wie erkennen dies Menschen mit Pflegebedarf und ihre Angehörigen? Unsere Expertin Karoline Bussenius hat neun Tipps.
1. Eine gute Pflegeberatung braucht Zeit
30 Minuten: So lange braucht Pflegeberaterin Karoline Bussenius durchschnittlich für ihre Einsätze nach Paragraf 37.3. Erstberatungen können auch 45 Minuten oder länger dauern, und Folgetermine kürzer, wenn sich nichts verändert hat. Es ist nicht selbstverständlich, dass sich Pflegeberater 30 Minuten Zeit nehmen: „Manche Pflegedienste lassen ihre Klienten einfach einen Zettel unterschreiben, dass die Beratung stattgefunden hat. In Wirklichkeit haben sie aber nur gefragt, wie es so geht, während sie die Kompressionsstrümpfe gewechselt haben.“
2. Eine gute Pflegeberatung muss die Pflegesituation erfassen
Bei einer Pflegeberatung ist es sinnvoll, wenn die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen dabei sind. Bei den Erstterminen geht es darum, die Pflegesituation zu erfassen. Pflegeberaterin Karoline Bussenius befragt dazu alle Beteiligten und macht sich selbst ein Bild. Schon der erste Eindruck zählt: „Aufschlussreich sind etwa wie gepflegt die Pflegebedürftige aussieht, wie sie sich fortbewegt, am Gespräch teilnimmt und wie aufgeräumt die Wohnung ist.“ Zudem achtet Bussenius auf die Barrierefreiheit der Wohnumgebung und, ob es Stolperfallen gibt. Zum Abschluss muss das Gespräch dokumentiert werden. Die Pflegebedürftige unterschreibt das Protokoll.
3. Eine gute Pflegeberatung muss Veränderungen im Blick behalten
Wichtig bei den Folgeterminen: Bevor Karoline Bussenius eine weitere Pflegeberatung durchführt, studiert sie jeweils die Nachweise des letzten Beratungseinsatzes. Von dort aus beginnt die neue Begutachtung, indem sie den Angehörigen und den Pflegebedürftigen Fragen stellt und die Situation selbst einschätzt (siehe Punkt 2). „So stellen wir fest, was sich in der letzten Zeit verändert hat und ob es weitere Unterstützungsmaßnahmen braucht.“
4. Eine seriöse Pflegeberatung muss umfassende Hilfestellungen geben
Bei einer guten Pflegeberatung geht es darum, die häusliche Pflege so optimal wie möglich zu gestalten. Dazu gibt Pflegeberaterin Karoline Bussenius umfassende Empfehlungen – etwa ob es weitere Hilfsmittel, bauliche Maßnahmen, eine Alltagsassistenz oder einen Pflegekurs für die Angehörigen braucht. „Vieles davon übernimmt die Pflegekasse.
Meine Klienten wissen oft gar nicht, was alles möglich ist.“ Bussenius informiert gerne zu nützlichen Anlaufstellen, hilft Anträge zu stellen und telefoniert mit den Krankenkassen. „Das ist für viele Menschen eine große Erleichterung. Sie sind mir jeweils sehr dankbar.“ Ebenfalls unterstützt sie ihre Klienten dabei, einen höheren Pflegegrad zu beantragen – wenn nötig. Je höher der Pflegegrad, desto mehr Leistungen.
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5. Eine gute Pflegeberatung wirkt präventiv und schützt vor Einsamkeit
Viele ältere Menschen leiden unter Einsamkeit. Da ist es wichtig, gegenzusteuern, findet Karoline Bussenius: „Etwa indem die Senioren an den Ausflügen von ProVita teilnehmen. An diesen können auch Klienten mit eingeschränkter Mobilität dabei sein, weil wir sie direkt vor der Tür abholen.“ Doch sie ermutige ihre Klienten auch sich regelmäßig zu bewegen, um den Abbau der Muskulatur zu bremsen: „Gerade in der kalten Jahreszeit fällt es oft schwer rauszugehen.“ Gerne empfiehlt sie ihren Klienten auch Physiotherapie, Rehasport oder Wassergymnastik: „Das hilft, die Gesundheit langfristig zu erhalten.“
6. Eine Pflegeberaterin oder ein -berater braucht Qualifikationen
Pflegebedürftige haben das Recht, ihren Pflegeberater selbst auszuwählen. Dabei ist es allerdings entscheidend, dass der Berater über die erforderlichen Qualifikationen und Zulassungen verfügt. Diese Personen sind berechtigt, Beratungseinsätze vorzunehmen:
- Qualifizierte Mitarbeitende eines zugelassenen Pflegedienstes
- Qualifizierte Pflegeberater einer anerkannten Beratungsstelle
- Von der Pflegekasse beauftragte Pflegekräfte, die nicht bei der Pflegekasse beschäftigt sind.
Wichtig: Ein Pflegeberater kann zwar die Pflegesituation einschätzen, ist aber nicht für medizinische Fragen zuständig. Das wird laut Karoline Bussenius immer wieder verwechselt: „Einige Klienten zeigen uns ihre Medikamentenpläne, diese sollten sie aber besser mit ihrem Arzt besprechen.“
7. Eine gute Pflegeberaterin braucht Fingerspitzengefühl
Nicht nur die fachliche Qualifikation, sondern auch die Persönlichkeit zählt. „Eine Pflegeberatung muss empathisch und respektvoll sein“, sagt Bussenius. Das Gespräch sollte auf Augenhöhe stattfinden und die Selbstbestimmtheit des Pflegebedürftigen im Vordergrund stehen. „Wir müssen ihm und den Angehörigen gut zuhören, auf ihre Wünsche eingehen und sie transparent informieren.“
Auch Fingerspitzengefühl sei gefragt: „Viele Klienten sind unruhig vor dem Termin und stellen diesen mit einer Begutachtung des Medizinischen Dienstes gleich. Das sind aber zwei völlig verschiedene Sachen.“ Vor dem Beratungseinsatz muss laut Bussenius keiner aufgeregt sein und es werden keine unangenehmen Fragen gestellt. „Eine Pflegeberatung ist eine Unterstützung, aber keine Kontrolle.“
8. Eine gute Pflegeberatung muss erkennen, wenn es nicht mehr geht
Der Pflegeberater sollte die Angehörigen befähigen, ihre Aufgaben so gut wie möglich wahrzunehmen, und sie bei Anzeichen von Überlastung unterstützen. Trotzdem stoßen die Angehörigen manchmal an ihre Grenzen. Oder der Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen hat sich so verschlechtert, dass die Pflege zu Hause so nicht mehr geht. „Da müssen wir zusammen nach Lösungen suchen“, sagt Karoline Bussenius.
Die meisten Angehörigen nehmen ihre Aufgaben sehr ernst. Sehr selten treffen die Pflegeberaterinnen auch auf Pflegebedürftige, die völlig verwahrlost sind. Dann sind sie dazu verpflichtet, dies den zuständigen Behörden oder der Pflegekasse zu melden.
9. Eine gute Pflegeberatung kann auch online durchgeführt werden, aber…
Karoline Bussenius führt Pflegeberatungen auch online durch – bei Folgeterminen könne dies durchaus sinnvoll sein: „Gerade wenn die pflegenden Angehörigen wenig Zeit haben, ist das eine große Erleichterung für sie.“ Die Wohnung lässt sie sich dann jeweils per Smartphone zeigen, und einen Eindruck von den Pflegebedürftigen könne sie sich auch am Bildschirm machen. „Allerdings würde ich nicht jede Beratung online durchführen. Gerade bei Erstterminen kann ich mir bei Besuchen ein besseres Bild von der Pflegesituation machen.“
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