
Kölle Alaaf! Auf der Bühne wird gesungen und getanzt – alles ist schrill und bunt. Das Publikum stimmt in die Kölner Lieder ein, schunkelt und lacht bei den humorvollen Büttenreden. Und mittendrin sitzt Liane Pütz mit ihrem Herzchenpullover und farbenfrohen Rock. Seit Januar ist das bereits ihre dritte Karnevalssitzung. „Diese sind wie eine Theatervorstellung – immer wieder lustig und schön.“
Sitzungen – so heißen die Veranstaltungen, die während der Karnevalszeit stattfinden. Und wohl nur wenige Kölnerinnen und Kölner haben davon so viele erlebt wie Liane Pütz. Sie wurde 1930 in der Stadt geboren und hat den Karneval sozusagen mit der Muttermilch aufgesogen. „Mein Vater war in der Ehrengarde und hat mich von klein auf mitgenommen. Als Mädchen tanzte ich auf der Bühne.“
„Bei uns war immer Party“
Nach einer kriegsbedingten Zwangspause lebte sie die Tradition als junge Frau weiter. „Wir trugen damals schicke Abendroben an den Sitzungen. Jedes Mal zog ich ein anderes Kleid an“, erzählt sie. Mit ihren Freunden zog sie von Veranstaltung zu Veranstaltung und genoss das Zusammensein beim Straßenkarneval. „Bei uns war immer Party“, erzählt sie lachend. Nicht umsonst werden die Karnevalisten in Köln als „Jecken“ bezeichnet, was im rheinischen Dialekt verrückt oder närrisch bedeutet. „Einmal im Jahr darf man ein bisschen verrückt sein“, sagt Liane Pütz lachend.
Ganz so wild feiert sie mit ihren 95 Jahren heute nicht mehr: „Ich bin auf den Rollator angewiesen und kann nicht mehr so lange stehen. Daher fallen die Umzüge am Straßenkarneval weg.“ Doch die Karnevalssitzungen sind immer noch eine große Freude für sie. Diese besucht sie mit ihrer Karnevalsgesellschaft „Kleine Erdmännchen“, die sie vor vielen Jahrzehnten mitgegründet hat. „Wer Karneval seit Kindesbeinen kennt, kann darauf nicht verzichten.“ Auch ihre Bekannten, die längst weggezogen sind, kommen immer wieder zurück während der sogenannten fünften Jahreszeit.
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„Ich bin immer die Älteste“
Leider seien die meisten Freunde aus ihrer Jugendzeit bereits gestorben: „Ich bin immer die Älteste auf den Karnevalsveranstaltungen.“ Dies mache sie manchmal traurig und etwas einsam. Obwohl: Liane Pütz pflegt viele Freundschaften. So feierte sie an ihrem 95. Geburtstag eine Party mit 40 Gästen – die meisten davon waren viel jünger als sie. Da waren auch viele Freunde ihrer 67-jährigen Tochter. „Ich kenne sie schon seit ihrer Kindheit. Da ist die Verbundenheit groß.“
Liane Pütz wirkt mit ihrem roten Kurzhaarschnitt jung. Sie lacht viel und nicht nur ihre Erzählungen aus der Karnevalszeit machen sie zu einer interessanten Gesprächspartnerin. Allerdings ist es gar nicht so leicht, mit ihr einen Interviewtermin zu finden. Denn die Wochen der 95-Jährigen sind durchgeplant. Dazu gehören regelmäßige Arzttermine wegen ihrer schmerzenden Schulter: „Von körperlichen Problemen bin ich leider im Alter nicht verschont.“ Sie sei aber froh, dass sie von so vielen Seiten Unterstützung erhalte: „So putzt eine Alltagshelferin jede Woche meine Wohnung – das ist eine große Entlastung.“
Doch die einstige Sekretärin eines Kölner Energieversorgungsunternehmens macht vieles, um körperlich fit zu bleiben. Mehrmals in der Woche geht sie zur Physiotherapie und Wassergymnastik. Manchmal fährt sie mit ihrem Auto in den Kölner Stadtwald, um spazieren zu gehen – gerne trifft sie auch ihre Freunde: „Wir Rheinländer mögen Geselligkeit – wir gehen nicht gerne allein durchs Leben. Vielleicht gibt es deshalb so viele Frohnaturen bei uns.“
„Ich habe einfach mein Leben genossen“
So war auch sie zeitlebens in mehreren Vereinen aktiv: „Ich habe immer viele Leute um mich herumgehabt.“ Ob das der Grund ist, warum sie im hohen Alter noch so vital ist, kann sie nicht sagen: „Es sind wohl auch meine Gene.“ Besondere Gesundheitstipps habe sie jedenfalls nicht: „Ich habe einfach mein Leben genossen.“
Dazu gehört es auch, in schwierigen Momenten nicht den Mut zu verlieren. Etwa während der harten Kriegsjahre, nach dem Tod ihres Mannes 2011 oder als 2017 ein Starkregen ihren Keller überflutete. „Dort waren meine Karnevalskostüme aus meinem ganzen Leben gelagert. Alle wurden zerstört. Das tut mir heute noch weh.“
Doch ihre Lust am Verkleiden während der Karnevalszeit ist geblieben. Dabei gebe es keine Regeln. „Man benutzt einfach seine Fantasie“, sagt sie und verspricht einige Fotos von ihr im Kostüm per WhatsApp oder E-Mail zu schicken. Dann muss sie los. Denn während der Karnevalszeit gibt es besonders viel zu tun. Noch weitere Veranstaltungen stehen an: „Ich freue mich darauf.“
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