1. Verändertes Verhalten und andere Körpersprache
Da kennt man seine Eltern schon sein ganzes Leben. Und plötzlich fällt einem auf, dass sie sich irgendwie anders verhalten. Sie fragen im Gespräch etwa häufiger nach und wirken vergesslich. Diese Verhaltensweisen sind für Außenstehende am Anfang kaum wahrnehmbar. „Doch als naher Angehöriger hat man so ein Bauchgefühl“, erzählt Pflegeberaterin Simone.
Sie hat das in ihrer eigenen Familie erlebt: „Zuerst ist mir aufgefallen, dass meine Mutter eine andere Körpersprache hatte. Und der Umgang mit ihr war plötzlich so verändert.“ Bald darauf stellte sich heraus, dass ihre Mutter eine vaskuläre Demenz hatte.

2. Kleine Bitten – aber von hinten herum
Die Eltern kümmerten sich stets gewissenhaft um ihre Angelegenheiten, Hilfe war unerwünscht. Doch dann bittet die Mutter ihren Sohn, den Briefkasten zu leeren und ihr Lebensmittel vorbeizubringen, wenn er zu Besuch kommt. „Dafür hatte ich heute noch keine Zeit“, sagt die Mutter.
Als der Sohn ihrer Bitte nachgeht, stellt er fest: Die Post liegt bereits seit 22 Tagen da. Solche Verhaltensweisen sind typisch, so Pflegeberaterin Simone: „Da kommen kleine Bitten, aber von hinten herum.“ Die wenigsten älteren Menschen geben zu, dass sie es nicht mehr schaffen, täglich zum Briefkasten zu gehen: „Sie haben gelernt, keine Schwäche zu zeigen.“
3. Appetitlosigkeit
Appetitlosigkeit ist ein häufiges Zeichen für eine Pflegebedürftigkeit, sagt Simone: „Die Betroffenen haben keine Lust mehr zu kochen und zu essen. Auch trinken möchten sie nicht mehr.“ Da haben Angehörige ihnen eine Kiste Wasser gekauft. Nach einer Woche stellen sie fest, dass bloß eine Flasche leer ist.
Aufschlussreich ist auch ein Blick in den Kühlschrank, so Simone: „Stehen dort viele abgelaufene Lebensmittel herum, kann dies auf wenig Hunger hinweisen.“
4. Zurückgezogenheit
Der Vater war stets gerne in Gesellschaft. Doch in letzter Zeit geht er nicht mehr zu den Veranstaltungen, die er früher nie verpasste. Auch seine Hobbys hat er aufgegeben. Stattdessen verbringt er viel Zeit in seiner Wohnung. Laut Simone sollten Angehörige dann hellhörig werden: „Oft liegt es auch am nachlassenden Gehör, wenn sich Senioren zurückziehen und nicht mehr an Gesprächen teilnehmen.“ Für sie reden die Menschen nur noch durcheinander.
Ein Hörgerät würde diese Probleme beheben, sagt Simone: „Trotzdem verzichten viele Betroffene darauf.“ Mit fatalen Folgen: „Wer nicht mehr am sozialen Leben teilnimmt, baut geistig schneller ab.“

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5. Aufgabe der Selbstständigkeit
Wer pflegebedürftig wird, verliert zunehmend an Eigenständigkeit und Selbstständigkeit. Das Haus alleine zu verlassen, wird zur unüberwindbaren Hürde. So ist etwa den Betroffenen der Gang zum Arzt zu aufwendig.
„Erstens müssen sie einen Termin machen und zweitens die Wohnung verlassen“, so Simone. Mit einer Gehbehinderung ist das anstrengend. „Da werden solche Termine lieber vermieden oder aufgeschoben.“
6. Der Haushalt überfordert
Der Verlust der Selbstständigkeit wird auch in der Wohnung deutlich. Diese ist nicht mehr so sauber wie gewohnt. „Meine Mutter war immer sehr pingelig. Du konntest vom Boden essen“, erzählt Pflegeberaterin Simone.
Doch als die Badewanne plötzlich verschmutzt war, die Wäsche ungewaschen in der Maschine lag und im Kühlschrank verschimmelte Lebensmittel standen, merkte sie, dass etwas nicht stimmte: „Meine Mutter nahm das alles gar nicht mehr wahr.“ Viele ältere Menschen schaffen es auch nicht mehr, den Müll runterzubringen. „Sie merken gar nicht, dass es in der Wohnung stinkt.“
7. Die Körperhygiene wird vernachlässigt
Am Geruch erkennt Pflegeberaterin Simone auch, wenn die Körperhygiene vernachlässigt wird: „Menschen mit Unterstützungsbedarf kommen nicht mehr alleine in die Badewanne und machen stattdessen Katzenwäsche am Waschbecken.
Häufig waschen sie auch die Haare nicht und schneiden die Fingernägel nicht.“ Auch Inkontinenz ist bei vielen älteren Menschen ein Thema: „Ich betrete oft Wohnungen, die nach Urin riechen.“
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Wie sollen Angehörige mit diesen Veränderungen umgehen?
Oft fallen den Angehörigen die Veränderungen zuerst auf, die Betroffenen selbst wollen sie lange nicht wahrhaben. Sprechen die Kinder ihre Eltern darauf an, fühlen sie sich angegriffen, weiß Pflegeberaterin Simone: „Es geht um einen sensiblen Bereich. Niemand wird gerne mit dem Verlust seiner Eigenständigkeit konfrontiert.“ Deshalb sei es wichtig, nicht sofort mit der Tür ins Haus zu fallen. „Vielleicht kann man seine Verwandten darauf hinweisen, dass es Unterstützungsangebote wie eine Alltagsbetreuung gibt.“
Hilfreich sei es, Fachstellen mit einzubeziehen: „Man kann auch Pflegeberatungen oder Pflegestützpunkte kontaktieren, wenn noch kein Pflegegrad vorliegt.“ Der Vorteil: Der Rat von Außenstehenden wird eher angenommen, und gute Pflegeberaterinnen bringen eine ganz andere Empathie mit.
So erkennt etwa Simone die Schwachstellen schnell, wenn sie eine Wohnung betritt: „Ich spreche dann meine Klienten offen darauf an und kläre sie über Hilfsangebote auf.“ Aber so, dass es nicht wie eine Bevormundung wirkt: „Die meisten Menschen sind mir dafür dankbar. Sie fühlen sich ernst genommen.“