Pflegebedürftigkeit im Alter: Was sind die Ursachen?
Knapp sechs Millionen Menschen sind in Deutschland pflegebedürftig – Tendenz steigend, denn unsere Gesellschaft wird immer älter. Pflegebedürftigkeit heißt nicht nur, auf fremde Hilfe angewiesen zu sein. Es kostet die öffentliche Hand auch Milliarden und stellt für viele Angehörige eine enorme Belastung dar.
Die gute Nachricht: Viele Fälle lassen sich verhindern. „Oder zumindest kann jeder dazu beitragen, die Schwere abzumildern“, sagt Simone, Pflegeberaterin bei unserem Partner hallo.care. Andere Expertinnen und Experten teilen Simones Einschätzung, die seit Jahrzehnten im Gesundheitswesen arbeitet.

Dazu lohnt sich ein Blick auf häufige Ursachen der Pflegebedürftigkeit im Alter:
- Demenz
- Altersdepression
- Zivilisationskrankheiten wie Schlaganfall, Herzkrankheiten oder Diabetes
- Sturzfolgen wie Oberschenkelhalsbruch oder andere Knochenbrüche
Die Gründe liegen oft in unserem Lebensstil. „Es ist nie zu spät, seine Gewohnheiten zu ändern – auch wenn man bereits gesundheitliche Probleme hat“, so Pflegeexpertin Simone. Aus ihrer Sicht kann man das Risiko, ein Pflegefall zu werden, in fünf Lebensbereichen minimieren.
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1. Bewegung
Bewegungsmangel beschleunigt den Muskelabbau im Alter, was wiederum das Sturzrisiko steigern lässt. Deshalb ist regelmäßige körperliche Aktivität auch im hohen Alter entscheidend. Simone empfiehlt:
- Regelmäßiges Kraft- und Balancetraining: Dazu braucht es kein Fitnessstudio. Schon zehn Minuten pro Tag machen den Unterschied. „Ältere Menschen können jeden Morgen am offenen Fenster Kniebeugen machen. Kleine Wasserflaschen lassen sich als Hanteln umfunktionieren.“
- Rehasport: Vielen Senioren fällt es schwer, alleine zu trainieren. Simone empfiehlt deshalb, Rehasport-Kurse zu besuchen. „Dieses ärztlich verordnete Gruppentraining wird meistens von der Krankenkasse übernommen.“
- Herz-Kreislauf-Training: Für die Herzgesundheit ist es wichtig, regelmäßig etwas außer Atem zu kommen. Simone rät zu Treppensteigen und Spaziergängen. „Wer Gleichgewichtsprobleme hat, kann beim Spazieren einen Rollator und ein Notrufgerät nutzen.“

2. Essen, Trinken und Rauchen
In Deutschland wird oft zu fett- und zuckerreich gegessen, was zu Übergewicht oder Mangelernährung führen kann. Deshalb ist es wichtig, schon frühzeitig auf eine ausgewogene Ernährung zu achten, mit vielen pflanzlichen Lebensmitteln und gesunden Fetten wie Oliven- oder Leinöl.
Als Getränk sind Wasser oder ungesüßter Tee die erste Wahl. Übermäßiger Alkoholkonsum verursacht nicht nur viele Krankheiten, sondern erhöht auch die Sturzgefahr. Viele altersbedingte Erkrankungen lassen sich auch durch Nichtrauchen verhindern. Es ist niemals zu spät, mit dem Rauchen aufzuhören.
3. Geistige Aktivität und Gesellschaft
Simone beobachtet oft, dass ältere Menschen in den Tag hineinleben und keine Routinen haben: „Sie haben nichts, was sie erfüllt. So geht die Lebensfreude schnell verloren, was den geistigen Verfall beschleunigt.“
Deshalb sollten wir unser Gehirn regelmäßig trainieren und neugierig bleiben. Auch Hobbys tragen dazu bei. Simone macht gerne Spieleabende mit Freunden: „Dabei werden Glücksgefühle ausgelöst und soziale Kontakte gepflegt, was ebenfalls wichtig für ein gesundes Altern ist.“
Ihr Bonustipp sind Hörbücher – insbesondere, wenn die Sehkraft schwindet: „Dabei wird das visuelle Vorstellungsvermögen hervorragend angeregt.“

4. Regelmäßige Gesundheitskontrollen
Viele Menschen zögern einen Arztbesuch lange hinaus. Dabei können viele Krankheiten dank Vorsorgeuntersuchungen frühzeitig erkannt und behandelt werden. So sollten im Alter der Blutzucker, das Cholesterin, das Seh- und Hörvermögen regelmäßig überprüft werden.
Simone empfiehlt außerdem, ein Blutdruckgerät zu Hause zu haben: „Denn dort sind die Werte oft zuverlässiger als beim Arzt. Regelmäßige Kontrollen helfen, das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte zu minimieren.“
Wichtig ist es laut Simone, seine Medikamente immer wieder überprüfen zu lassen, um Nebenwirkungen zu verringern. „So lösen viele Medikamente Schwindel aus, was die Sturzgefahr erhöht.“
5. Alterssichere Wohnung und Notrufgeräte
Teppiche, herumliegende Kabel oder freistehende Möbelstücke: „Solche Stolperfallen sollten in Wohnungen von Senioren vermieden werden“, findet Simone. Eine Badewanne kann zusätzlich die Sturzgefahr erhöhen. „Hier hilft die Pflegekasse, einen Badumbau zu finanzieren“, so Simone. Sie empfiehlt auch, die Leistungen der Kasse zu nutzen, um die Wohnung frühzeitig barrierefrei und altersgerecht zu gestalten.
Falls doch mal etwas passieren sollte, sind Notrufgeräte ein zuverlässiges Hilfsmittel. Simone: „Im Gegensatz zu einem Telefon hat man dieses immer dabei und kann damit schnell Hilfe organisieren.“ Das sei oft entscheidend, um Folgeschäden und somit eine drohende Pflegebedürftigkeit zu vermeiden.
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Fazit: Pflegebedürftigkeit muss oft nicht sein
Viele Menschen schieben den Gedanken, alt und gebrechlich zu werden, hinaus. Dabei hilft es, sich damit rechtzeitig auseinander zu setzen. Denn man kann viel dafür tun, um das Risiko für altersbedingte Krankheiten oder Unfälle zu vermeiden.
Eine gesunde Lebensführung und regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen tragen dazu bei. Auch hilft es, frühzeitig soziale Kontakte zu pflegen und sich mit dem altersgerechten Wohnen auseinanderzusetzen.
Die 60-jährige Pflegeberaterin Simone ist überzeugt, dass das ihrer Generation besser gelingen wird: „Wir haben bei unseren eigenen Eltern gesehen, was Pflegebedürftigkeit bedeutet.“